Testberichte
Honor MagicPad 4 Test: iPad & Galaxy Tab Killer?
Ihr sucht ein leistungsstarkes 12″-Android-Tablet mit OLED-Display und coolem Design? Dann könnte das Honor MagicPad 4 perfekt zu euch passen.
Das Honor MagicPad 4 ist mit nur 4,8 Millimetern das dünnste Tablet der Welt, hat verrückt dünne Displayränder und ein bis zu 2400 Nits helles OLED. Als Honor es auf dem Mobile World Congress angekündigt hatte, war ich richtig begeistert. Ich habe jetzt ein paar Wochen damit verbracht, es intensiv getestet und direkt mit dem Samsung Galaxy Tab S11 und dem OnePlus Pad 3 verglichen. Und ich verrate euch gleich am Anfang: In einem Punkt ist das MagicPad 4 tatsächlich sogar besser als das ultimative Flaggschiff von Samsung. Aber es hat auch einige Nachteile.
Design und Anschlüsse
Beginnen wir mit dem Design. 4,8 Millimeter sind wirklich verrückt dünn. Zum Vergleich: Das iPad Pro M5 misst 5,1 mm, das Galaxy Tab S11 liegt bei 5,5 mm und das OnePlus Pad 3 kommt auf knapp 6 mm. Honor setzt sich damit an die Spitze, und mit rund 450 Gramm ist das Tablet auch erstaunlich leicht. In der Hand fühlt sich das MagicPad 4 durchaus wertig und absurd dünn an, echt klasse. Aber ein Unibody-Metallgehäuse macht immer einen etwas hochwertigeren Eindruck. Hier haben wir nur einen Metallrahmen und eine Kunststoffrückseite.

So richtig beeindruckend sind aber die Displayränder. Die sind wirklich verrückt dünn und ergeben ein Display-zu-Gehäuse-Verhältnis von 93 Prozent. Auch im direkten Vergleich zum Galaxy Tab S11 sieht man sofort, wie schmal die Ränder am MagicPad 4 wirklich sind.
An Anschlüssen bekommen wir einen USB-C-3.2-Port, über den man auch externe Monitore anschließen kann, und Pogo-Pins für das Tastatur Cover. Ein Klinkenanschluss und ein microSD-Slot fehlen, wie mittlerweile fast immer. Und ziemlich schade finde ich, dass auch ein Fingerabdrucksensor fehlt. Entsperren könnt ihr es also nur per PIN oder über die 2D-Gesichtserkennung der Frontkamera, und die ist nicht so sicher.
Vorne sitzt eine 9-Megapixel Webcam und auf der Rückseite bekommen wir eine 13 Megapixel Hauptkamera.
Display und Lautsprecher
Kommen wir zum Display, für mich eines der spannendsten Features am MagicPad 4. Honor verbaut ein 12,3-Zoll-OLED mit einer Auflösung von 3000 x 1920 Pixeln. Die adaptive Bildwiederholrate geht bis zu 165 Hz, also ein gutes Stück über die üblichen 120 Hz vom iPad Pro und Galaxy Tab S11. Die HDR-Spitzenhelligkeit gibt Honor mit bis zu 2400 Nits an.

Ohne HDR ist das MagicPad 4 deutlich heller als das OnePlus Pad 3 und auch ein klein bisschen heller als das Galaxy Tab S11. Bei HDR-Inhalten schneiden Honor und Samsung ähnlich gut ab – hier ist es schwer einen Unterschied zu erkennen. Beide Displays sind besser als beim OnePlus Pad 3. Die Schwarzwerte sind natürlich deutlich tiefer als beim OnePlus, denn das hat nur ein LCD.
Standardmäßig wirkt das Galaxy Tab S11 etwas gelblicher und das MagicPad 4 einen Tick blauer, aber die Farbtemperatur könnt ihr in den Einstellungen sowieso anpassen.
Eine Sache ist mir negativ aufgefallen, und zwar beim Schauen eines langen YouTube-Podcasts. Das Bild wird nach einer Weile automatisch abgedunkelt und ihr müsst einmal auf das Display tippen, damit es wieder heller wird. Ist vermutlich zum Energiesparen gedacht, kann aber nervig sein. Ich habe mit allen Einstellungen herumgespielt, es aber nicht ausgeschaltet bekommen. Das ist vermutlich ein Software-Bug, der hoffentlich mit einem Update behoben wird.

Bei den Lautsprechern setzt Honor auf ein Acht-Lautsprecher-Setup. Und da war ich echt erstaunt. Ich hatte damit gerechnet, dass Honor hier ein bisschen spart und der Ton nicht ganz so gut ist, auch weil es so dünn ist. Tatsächlich sind die Lautsprecher vom MagicPad 4 und vom Galaxy Tab S11 aber nahezu gleich gut. Beide sind richtig, richtig gut und werden auch richtig laut.
Perfekt sind das Honor und Samsung aber nicht, denn das OnePlus Pad 3 hat noch einen Tick besseren Bass und liefert tiefere Töne als die anderen beiden.
Stift
Zum MagicPad 4 gibt es den Magic Pencil 3. Der verbindet sich per Bluetooth, heftet sich magnetisch ans Tablet und lädt dort auch gleich. Anders als bei Samsung muss man den Stift separat kaufen, oder aber man gibt bisschen mehr Geld aus für ein Bundle.

Als ich die ersten Notizen in Noteshelf 3 geschrieben habe, war ich zunächst ein bisschen enttäuscht. Der Stift war laggy. In der hauseigenen Honor-Notizen-App lief er dagegen schön flüssig. Dann habe ich in den Displayeinstellungen statt der dynamischen Bildwiederholrate fest 165 Hz ausgewählt, und plötzlich lief der Stift auch in Noteshelf 3 wunderbar flüssig. Das lag also am Display, nicht am Stift. Mit fest eingestellten 165 Hz funktioniert der Magic Pencil 3 sehr gut, ähnlich wie der S Pen von Samsung.
Schattierungen werden sauber erkannt, aber eine Drücken-Geste wie beim Apple Pencil Pro gibt es nicht. Und ein Gyroskop ist auch nicht eingebaut. Trotzdem bin ich vom Stift positiv überrascht, es eignet sich auf jeden Fall auch für die Uni und für Künstler.
Hardware und Performance
In dem dünnen Gehäuse sitzt der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 5, den wir zuvor in noch keinem Tablet gesehen haben. Dazu gibt es 12 oder 16 GB RAM und 256 oder 512 GB Speicher. Erweiterbar ist der Speicher nicht und es gibt auch kein Modell mit 5G.
Wir vergleichen die Leistung in einer Reihe von Benchmarks. In Geekbench 6 liegt das MagicPad 4 im Single-Core rund 4 Prozent über dem Galaxy Tab S11, aber etwa 5 Prozent unter dem OnePlus Pad 3. Gegen das Xiaomi Pad 8 hebt es sich um rund 40 Prozent ab, und gegenüber dem eigenen Vorgänger, dem MagicPad 2, legt es rund 48 Prozent zu.

Im Multi-Core liegt das MagicPad 4 leicht vor beiden direkten Konkurrenten, mit rund 6 Prozent Vorsprung aufs Tab S11 und etwa 5 Prozent aufs OnePlus. Gegen das Xiaomi Pad 8 sind es rund 50 Prozent, und gegenüber dem MagicPad 2 sogar knapp 87 Prozent.

Bei der GPU dreht sich das Bild: Hier ist das MagicPad 4 rund 14 Prozent langsamer als das Tab S11 und etwa 8 Prozent langsamer als das OnePlus Pad 3. Gegen das Xiaomi Pad 8 hat es einen Vorsprung von rund 29 Prozent, und das MagicPad 2 ist in der GPU-Leistung weit abgeschlagen.
Ein ähnliches Muster sehen wir in 3DMark Wild Life Extreme: Rund 13 Prozent unter dem Tab S11 und etwa 7 Prozent unter dem OnePlus Pad 3, dafür rund 31 Prozent über dem Xiaomi Pad 8 und rund 67 Prozent über dem MagicPad 2.

Die spannendste Zahl steckt aber in der Stabilität. Unter Dauerlast im 3DMark Wild Life Extreme Stresstest kommt das MagicPad 4 auf einen Stabilitätswert von 84 Prozent. Das OnePlus Pad 3 liegt mit 83 Prozent praktisch gleichauf. Das Galaxy Tab S11 fällt im selben Test dagegen auf knapp 48 Prozent ab.
Und genau das ist der Punkt, in dem das MagicPad 4 das Samsung-Flaggschiff klar schlägt. In der absoluten Spitzenleistung ist das Tab S11 schneller, aber wenn ihr das Tablet länger unter Last fahrt, liefert das MagicPad 4 viel konstanter ab. Die Kühlung ist also trotz des dünnen Gehäuses sehr gut.
Gaming Test
Das zeigt sich auch im Gaming. Fortnite ist auf den Epic-Einstellungen leider auf 60 FPS begrenzt und läuft dort wunderbar mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde. Erst wenn ihr auf niedrige Grafikeinstellungen runtergeht, sind 120 FPS möglich, und dann läuft das Spiel auch mit dem Maximum von 120. Dieser Chip ist noch recht neu und es könnte sein, dass 120FPS und Epische Einstellungen später freigeschaltet werden.

Delta Force läuft mit hohen Einstellungen konstant flüssig. Und Roblox mit 99 Nights in the Forest läuft ebenfalls super. Das MagicPad 4 ist also ein richtig gutes Gaming-Tablet, obwohl im Inneren gar nicht der absolut stärkste Chip steckt, aber eben ein sehr guter.
Tastatur Cover
Wenn ihr möchtet, könnt ihr für das MagicPad 4 ein offizielles Tastatur Cover bekommen. Die Tastatur ist sehr solide, und durch das 12,3-Zoll-Display kann sie schön groß ausfallen. Ihr könnt darauf ordentlich schreiben. Schade ist nur, dass sie sich vergleichsweise billig anfühlt und man das Tablet in nur zwei Winkeln aufstellen kann.

Bedauerlich finde ich auch, dass die Tastatur in Deutschland kein Touchpad hat. Auf dem Mobile World Congress gab es eine Variante mit Touchpad, und die fand ich deutlich besser. Ob diese Tastatur es jemals nach Deutschland schafft, weiß ich nicht – ich habe bei Honor nachgefragt, aber noch keine Antwort bekommen.
Software: MagicOS 10 auf Android 16
Auf der Software-Seite läuft MagicOS 10 auf Basis von Android 16. Das System funktioniert im Alltag gut, nur die vorinstallierte Bloatware nervt bisschen. Ihr könnt sie aber deinstallieren.

Ihr könnt ja externe Monitore anschließen und dann ist der PC Mode interessant. Mit dem könnt ihr Apps in frei beweglichen Fenstern öffnen, ähnlich wie bei Samsung DeX. Das funktioniert solide, scheint aber noch nicht ganz so ausgereift zu sein.
Beim Thema Updates ist Honor dieses Mal ambitioniert: Sechs Jahre Sicherheits- und Versionsupdates hat der Hersteller zugesagt. Damit ist das MagicPad 4 sehr ordentlich aufgestellt, nur Samsung setzt mit sieben Jahren noch einen oben drauf.
Akkulaufzeit

Kommen wir zur Akkulaufzeit. Für unseren Test lassen wir immer ein HD-YouTube-Video bei maximaler Helligkeit in einer Endlosschleife laufen. Das MagicPad 4 hält in diesem Test 9 Stunden durch. Angesichts des hellen Displays ist das solide, aber nicht perfekt. Das Galaxy Tab S11 schafft im selben Test 12 Stunden und 45 Minuten, also rund 41 Prozent mehr. Das OnePlus Pad 3 liegt mit 9 Stunden und 39 Minuten knapp vor dem MagicPad 4. Und der direkte Vorgänger, das Honor MagicPad 2, kommt sogar auf 13 Stunden.
Honor MagicPad 4 Test: Mein Fazit
Insgesamt ist das MagicPad 4 ein ziemlich gutes Tablet, aber am Ende des Tests bin ich nicht mehr ganz so begeistert, wie ich es auf dem MWC war. Der Grund ist einfach, dass das Galaxy Tab S11 preislich mittlerweile auf unter 600 Euro gefallen ist und zwar inklusive S Pen. Damit kosten die beiden grob ähnlich viel. Das Tab S11 ist zwar deutlich kleiner, aber neben dem Stift bekommt ihr auch Samsung Notes und Samsung DeX, beides finde ich bisschen besser als die Gegenstücke von Honor.

Fürs MagicPad 4 spricht vor allem das große OLED. Das Galaxy Tab S11 Ultra und 13” iPad Pro sind nämlich deutlich teurer als das MagicPad 4.
Schaut euch als nächstes unbedingt unseren Test vom Samsung Galaxy Tab S11 an. Auch das ist nicht perfekt, aber wenn ihr euch für das MagicPad 4 interessiert, müsst ihr auch das S11 in Betracht ziehen.

Sehr schickes OLED
Leistungsstark
Unglaublich dünn
Akkulaufzeit könnte länger sein
Keine IP68 Zertifizierung
Fingerabdruckscanner fehlt
Preise fallen kaum
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