Samsung Galaxy Tab A 9.7 im Test – Eine große Enttäuschung? (Video)

Das Samsung Galaxy Tab A 9.7 mit S-Pen hat sich unserem Tablet Test gestellt. Ist es eine solide Alternative zu iPad und Co. oder eine große Enttäuschung? | Von Andrzej Tokarski am 26. May 2015

Samsung Galaxy Tab A

Anzeige


Mit dem Samsung Galaxy Tab A 9.7 haben die Südkoreaner eine neue Generation ihrer Tablets herausgebracht, die scheinbar die Galaxy Tab 4-Serie beerbt. Geändert hat sich hauptsächlich das Design, denn Samsung setzt nun auf Geräte im 4:3 anstatt wie bisher im 16:10 Format. Mit 279 Euro (Link zum Angebot) ist das Galaxy Tab A 9.7 preislich in der Mittelklasse angesiedelt – doch handelt es sich dabei auch um ein Mitteklasse-Tablet?

Schon seit der Vorstellung stand die neue Galaxy Tab A-Serie in der Kritik, denn die Auflösung ist mit 1024×768 ungewöhnlich niedrig. Erst recht bei dem Preis. Deshalb habe ich mich auf den Tablet Test gefreut, ist die neuste Kreation aus dem Hause Samsung wirklich so schlecht, wie teilweise zu lesen war? Dieser Testbericht soll das klären. Bei meinem Gerät handelt es sich übrigens um das Modell mit dem S-Pen Stylus, das ich in Taiwan gekauft habe. In Deutschland ist diese Version nicht verfügbar.

Design & Verarbeitung

Ursprünglich ginge ich davon aus, dass ein Tablet mit dem Namen „Galaxy Tab A“ ein Gehäuse aus Metall hat, denn genau das ist bei den Galaxy A-Smartphones der Fall. Aufgrund der niedrigen Auflösung und dem dafür hohen Preis hätte das auch hinkommen können. Doch nach dem Auspacken hatte ich sofort Plastik in der Hand. Das komplette Gehäuse besteht aus Kunststoff, das gleiche gilt für den Rahmen und den an der Seite sitzenden Lautstärkeregler und den Power-Button.

Kunststoff muss natürlich nicht schlecht sein, und das ist es hier auch nicht. Das Gehäuse ist solide gebaut und es knirscht nichts, wenn man es in der Hand hält. Bei einigen Konkurrenten ist das anders. Trotz der soliden Bauweise fühlt es sich aufgrund des Kunststoffs natürlich nicht so wertig an wie ein Gehäuse aus Metall.

Das neue Design des Galaxy Tab A 9.7 gefällt mir, auch wenn es aufgrund des neuen Displayformats einem iPad Air ähnlich sieht. Aber gut, das ist bei allen 9,7 Zoll großen Tablets im 4:3 Format der Fall, egal von welchem Hersteller.

Samsung Galaxy Tab A Rückseite

Display & Pixel

Schauen wir uns das neue Display mal im Detail an. Wie bereits erwähnt, ist dieses wie beim iPad Air oder Nexus 9 jetzt 9,7 Zoll groß und im 4:3 Format gehalten. Dadurch ist es in meinen Augen angenehmer Bücher oder Webseiten zu lesen, da man gefühlt mehr Platz als bei einem 16:10 Format hat. Einen Nachteil gibt es jedoch, denn Filme und Videos sind in der Regel im 16:9 Format gehalten. Dadurch sieht man beim Galaxy Tab A 9.7 oben und unten einen schwarzen Balken, ähnlich wie bei alten Fernsehern.

Im direkten Vergleich zum Display des ersten iPad Air, schien mir das Tablet von Samsung ein klein wenig heller zu sein. Dafür ist ein leichter Gelbstich zu erkennen, was jedoch nicht schlimm ist, ja abends sogar dem Schlaf gut tun kann. Von Lichthöfen ist das Display nicht geplagt und auch die Blickwinkel sind gut.

Kommen wir zum größten Kritikpunkt, der Auflösung. Auf dem Display liegen nur 1024×768 Pixel, wodurch die Pixeldichte deutlich niedriger als bei fast allen aktuellen Konkurrenten ist. Nachdem ich es ausgepackt und ein wenig genutzt hatte, dachte ich erst, dass die niedrige Auflösung gar nicht so schlimm ist. Denn die restlichen Eigenschaften des Displays sind ja gut.

Doch dann begann ich längere Berichte im Internet zu lesen, ohne im Hinterkopf zu haben, dass ich das Tablet teste. Ich wollte einfach Nachrichten lesen. Doch nach ein paar Minuten fiel mir auf, dass irgendetwas komisch ist. Waren meine Augen zu müde? Nein. Aufgrund der niedrigen Auflösung sehen Texte einfach unscharf aus!

Samsung Galaxy Tab A mit Lollipop

Richtig deutlich wird das, wenn man das Galaxy Tab A 9.7 neben andere Geräte legt, in meinem Fall neben das iPad Air und Surface 3. Im Vergleich dazu waren Texte auf dem Tablet von Samsung deutlich unschärfer. Das liegt natürlich an der niedrigen Pixeldichte. Wer keine höher auflösenden Tablets oder Smartphones gewöhnt ist, wird sicher nichts merken. Doch wer ein anderes Gerät mit einer höheren Pixeldichte im Haus hat, wird einen Unterschied feststellen können.

Ich kann mir nicht erklären, wieso Samsung ein so niedrig auflösendes Display verbaut. Vor allem weil Samsung ausgezeichnete Displays herstellen kann, und das Display ist das so ziemlich wichtigste Merkmal bei einem Tablet. In meinen Augen ist die Auflösung zu diesem Preis viel zu niedrig!

Hardware & Performance

Im Galaxy Tab A 9.7 steckt ein 1,2GHz QuadCore-Prozessor, der 64-Bit unterstützt. Dies wird sogar wirklich genutzt, da bereits Android 5.0 Lollipop vorinstalliert ist. Dem Chipset stehen bei der WLAN-Version 1,5GB RAM und bei der LTE-Variante 2GB Arbeitsspeicher zur Seite. Ich habe das Modell mit dem S-Pen Stylus, das ebenfalls 2GB RAM besitzt. Der interne Flash-Speicher ist überall 16GB groß und kann über einen microSD-Kartenslot erweitert werden.

Benchmarks wie AnTuTu oder Geekbench 3 ordnen das Tablet von Samsung minimal über Geräten mit dem Snapdragon 410 Chipset ein, der beispielsweise in den von mir ebenfalls getesteten Acer Iconia Talk S und Huawei MediaPad T1 8.0 Pro steckt. Damit ist die Performance in Ordnung, denn sowohl Android 5.0 Lollipop, als auch die meisten Apps laufen flüssig. Jedoch kosten die beiden Konkurrenten sogar mit LTE unter 230 Euro. Aber gut, Samsung ist eine beliebte Marke, für die man oft etwas mehr zahlen muss. Außerdem ist das Display größer… wenn auch niedriger auflösend.

Mein Gaming-Test bestätigt die Benchmarks. Viele Spiele wie Beach Buggy, Asphalt 8: Airborn oder Dead Trigger 2 laufen flüssig. Kleine Ruckler gab es jedoch bei N.O.V.A. 3 Freedom Edition. Diese waren nicht so stark wie bei den beiden Snapdragon 410-Tablets, traten aber hin und wieder auf. Dennoch ist N.O.V.A. 3 durchaus spielbar.

Letztendlich ist das Galaxy Tab A 9.7 kein perfektes Gaming-Tablet, doch das soll es ja auch nicht sein. Die meisten Spiele aus dem Play Store laufen flüssig und das gilt auch für Lollipop und andere Apps, die ich ausprobiert habe.

Lollipop & TouchWiz

Das Samsung Galaxy Tab A 9.7 ist das erste Tablet des Herstellers, das direkt mit Android 5.0.2 Lollipop ausgeliefert wird – dessen Features muss ich nicht mehr erklären. Darauf sitzt natürlich die eigene TouchWiz-Oberfläche, doch ist diese ähnlich wie beim Galaxy S6 im Vergleich zu vorherigen Versionen deutlich abgespeckt. Mir gefällt die Software recht gut, verzichten könnte ich nur auf das integrierte Flipboard.

Samsung hat einige unnütze Features aus TouchWiz entfernt, einige spannende aber beibehalten. Dazu zählt die MultiWindow-Funktion! Mit dieser kann man zwei Apps gleichzeitig nebeneinander öffnen, ein Feature, das sonst nur Windows 8 bietet. Dadurch kann man beispielsweise ein Video schauen und gleichzeitig im Internet surfen oder mit Freunden chatten. Das funktioniert auch ziemlich gut.

Wie beim Galaxy S6 sind auch hier zahlreiche Apps von Microsoft vorinstalliert. Dazu gehören neben den Office-Apps auch OneDrive und Skype. Ihr bekommt außerdem 100GB gratis Cloudspeicher bei OneDrive für zwei Jahre, einen ähnlichen Deal hatte Samsung zuvor mit Dropbox. Dieses ist nun nicht mehr standardmäßig dabei.

Mir gefallen die Apps von Microsoft, doch bekommt man die natürlich auch so kostenlos aus dem Play Store. Wer sie nicht nutzen möchte, kann die einfach desinstallieren. Stören oder das System verlangsamen tun sie jedoch nicht.

Samsung Galaxy Tab A Display

Akkulaufzeit

Positiv überrascht hat mich die Akkulaufzeit. Ich habe ein 720p-Video in einer Endlosschleife bei mittlerer Helligkeit und aktiviertem WLAN laufen lassen. Bei diesem Test hielt das Galaxy Tab A 9.7 fast 11 Stunden! Solche Werte sehen wir sonst meistens nur bei Geräten von Apple. Ein Grund für die gute Akkulaufzeit dürfte natürlich das niedrig auflösende Display sein.

Während des Akkutests hatte ich übrigens noch kein Facebook oder andere soziale Netzwerke installiert, die ständig nach Updates im Internet suchen. Gerade der Facebook Messenger kann die Akkulaufzeit deutlich verringern, bei jedem Gerät. In meinem Fall gab es nur ab und zu Benachrichtigungen aus Gmail, jedoch nicht von Facebook und Co.

S-Pen Stylus

Wie bereits erwähnt, habe ich mir die Version des Galaxy Tab A 9.7 mit dem S-Pen Stylus gekauft, die in Deutschland leider nicht angeboten wird. Dennoch möchte ich hier über meine Erfahrungen mit dem Stift schreiben, denn vielleicht ist der ein oder andere von euch demnächst in Asien unterwegs, wo diese Version angeboten wird. Außerdem ist der Stift so ziemlich das einzige Feature, durch das ich das Tablet empfehlen kann.

Ihr bekommt hier mit dem Galaxy Tab A 9.7 so ziemlich den gleichen S-Pen Stylus geboten, den wir schon lange von der Galaxy Note-Serie kennen. Auch hier kann der Stift im Gehäuse untergebracht werden, wodurch er nicht so schnell verloren geht. Dafür ist der Stylus recht dünn und nicht ganz so bequem wie beispielsweise der des Surface 3 – aber gut, das Tablet von Microsoft ist auch fast doppelt so teuer… und der Stylus nicht einmal inklusive.

Samsung Galaxy Tab A mit S-Pen Stylus

Normalerweise nutze ich einen Stylus nicht. Ich hatte bisher jedes Galaxy Note bei mir, und hab die Smartphones lange genutzt, nur eben nicht den Stift. Aber wer das tut und gerne handschriftliche Notizen erstellt oder mit dem S-Pen zeichnen möchte, kann das auf dem Galaxy Tab A 9.7 genauso tun, wie bei einem Galaxy Note. Es gibt die S-Note App, die S-Pen Befehle und auch eine Handschrifterkennung in der Tastatur.

Wer gerne mit einem Stylus arbeiten und nicht allzu viel Geld ausgeben möchte, dem kann ich das Galaxy Tab A 9.7 durchaus empfehlen. Immerhin gab es von Samsung schon lange kein Tablet mit Stift mehr und hier bekommt ihr aktuelle Software. Bei der Version mit S-Pen kann ich über die niedrige Auflösung hinwegschauen – aber auch nur, wenn ihr den Stylus wirklich nutzt.

Fazit

Letztendlich kann ich das Samsung Galaxy Tab A 9.7 leider nicht empfehlen. Zwar wird uns hier eine akzeptable Performance, gute Software und eine ausgezeichnete Akkulaufzeit geboten, aber die Auflösung des Displays ist in meinen Augen einfach viel zu niedrig. Erst recht bei dem Preis. Nur 1024×768 Pixel sind im Jahre 2015 in meinen Augen zu niedrig. Es gibt einfach zu viele andere Tablets da draußen, mit ähnlicher Hardware, einem ähnlichen Preis, aber deutlich höherer Auflösung.

Das gilt wie gesagt nicht für die S-Pen Version. Wer irgendwie an das Modell mit dem Stylus kommt und diesen auch wirklich nutzen möchte, kann sich das Galaxy Tab A 9.7 genauer anschauen.

Samsung Galaxy Tab A mit TabletBlog

Alternativen

Es gibt einige interessante Alternativen zum Galaxy Tab A 9.7. Eine stammt von Samsung selbst, nämlich das fast ein Jahr alte Galaxy Tab S 8.4. Dieses kostet mittlerweile nur noch rund 320 Euro (Link zum Angebot) und bietet bessere Hardware und vor allem ein deutlich, deutlich besseres Display. Mittlerweile gibt es für das Galaxy Tab S auch ein Update auf Lollipop, wodurch ihr auch in diesem Punkt auf dem aktuellen Stand seid.

Weitere mögliche Alternativen sind ein gebrauchtes iPad Air, das unwesentlich mehr kosten dürfte, sowie Tablets wie das Acer Iconia Tab 10 FHD. Dieses bietet für 244 Euro (Link zum Angebot) ein FullHD-Display und die Performance ist sehr ähnlich. Nur auf Lollipop müsst ihr bisher verzichten.

Außerdem solltet ihr die Computex abwarten, die in einer Woche in Taiwan startet. Dort dürften uns weitere Tablets von ASUS, Acer und Co. erwarten.

Keine News verpassen: Folge TabletBlog bei Facebook!

  • Wieland

    Du reitest schon zu Recht auf der Auflösung herum. Bei 120€ würde kein Hahn danach krähen, aber es gibt SEHR gute Tablets bis 250€ (allein das Nokia N1) mit 2K Auflösung. Dass Samsung sowas veranstaltet… 768p sehen bereits auf 7 Zoll aus, wie ein Bogen Sandpapier. Ich spreche da aus eigener Erfahrung.

    Man könnte diese Krücke glatt für einen Testballon halten, um zu messen, wie loyal die eigene Kundschaft ist, bzw. ob Leute sowas kaufen, nur weil Samsung drauf steht. Es wird wahrscheinlich sogar der Fall sein…

  • Frank

    Früher haben wir alles ausgepackt, heute heißt es neudeutsch “unboxing”. Furchtbar!

    • Urgently@web.de

      Recht so oder OK! Mal alles veramikanisieren. So macht deutsche Konversation Spass, mal schauen wie sich die Sprache der Dichter und Denker noch expandiert.

  • http://www.i-tek.ch/ iPhone Reparatur – iTek

    Nice article